This War of Mine – Review: Krieg ist scheiße

Als ich den Trailer zu This War of Mine gesehen hatte, dachte ich mir nur: “Das, genau das, gib her!” Die Atmosphäre stimmte, die Musik, der Grafikstil und vorallem das Konzept versprach einen glimmenden Sterne am Indie Himmel.
Doch ob This War of Mine ein flammender Stern der Hoffnung für das Kriegsgenre ist oder doch nur ein abstürzendes, brennendes Raumschiff, was man irrtürmlich als Stern interpretiert erfahrt ihr in diesem Test.

Story

Ich mach es kurz, es gibt keine große Story. Zu Beginn des Spiels erfahren wir das unsere Charaktere eine kleine Vorgeschichte haben, der eine ist zum Beispiel Sportler gewesen und die andere eine Journalistin, mehr als diese zwei Sätze an Informationen erhalten wir nicht und im Laufe des Spiels wird nicht weiter darauf eingegangen. Wir erfahren über das Radio das Rebellen wohl Krieg gegen Soldaten führen, doch das Leiden des Volkes ist so fern wie Alpha Zentaurie, wir wissen nicht ob wir irgendwann gerettet werden oder worum es eigentlich in diesem Krieg geht.

Gerade in Verbindung mit dem einzigartigen Setting hätte ich mir ein wenig Story gewünscht, etwas woran ich festhalten kann, woran ich mit den Leuten fühlen kann. Gibt es Familie, eine persönliche Story über Hass oder Liebe, doch wir bekommen nur blanke Personen und dürfen uns selbst was dazu vorstellen… vielen Dank.

Ab und zu kommt ein Händler vorbei, der mir zwar sagt wie schlimm die Truppen in der Stadt kämpfen und mit welchen Anstrengungen er zu uns gekommen ist, aber das ist mir persönlich zu wenig und hat absolut nichts mit meiner Gruppe zu tun, schließlich kommt der Kerl immer wieder. Neben dem Händler stehen manchmal Personen vor der Tür, die uns erzählen das ein Familienmitglied ein Problem hat, oder sie persönlich Hilfe brauchen, und ob wir ihm helfen können, doch auch das ist nicht das, was ich mir vorgestellt habe, oder was meiner Meinung nach einen dicken Story Aspekt in das Spiel einfließen lässt. Die Personen vor der Tür wollen dann entweder geschenkte Ressourcen, oder sie wollen Hilfe und wenn sie Hilfe wollen schicken wir einen von unserer Gruppe weg, der wenige Stunden später wiederkommt. Mehr passiert auch nicht.

Das einzige was uns ein wenig Story ermöglicht sind die täglichen Radionachrichten (das Radio müssen wir natürlich erst bauen) und die sogenannten “Bio’s” der Charaktere. Darin teilen sie uns ihre Gedanken, Wehwechen und Probleme mit.

Doch nur das ist viel zu wenig.

Gameplay

Wenn wir über die quasi nicht vorhandene Story hinweg sehen, haben wir allerdings mit dem Gameplay noch das offensichtliche Kernstück von This War of Mine. Das wiederum hat zwar seine Macken, doch im Grunde ist es durchaus solide.

Wie im Storyteil schon angesprochen, bekommen wir am Anfang drei Personen als spielbare Charaktere vor die Nase gesetzt. Diese haben aufgrund ihres vorherigen Lebens diverse positive Eigenschaften und so kann zum Beispiel Pavell schneller Rennen als andere, da er Profi-Sportler war, oder ein anderer besser kämpfen weil er Teil der Rebellen war.

Wir müssen unsere Gruppe also so ausspielen, das wir am besten von ihren Fähigkeiten profitieren. Was wiederum echt schwer ist, weil manchmal brauchen wir auf Missionen den kampferprobten Kerl, haben aber nur die zierliche Journalistin mit, die nicht unbedingt gegen die bösen Buben ankommt.

Anders als in der Pressemitteilung, welche von dir als Gruppenführer sprach, der seine Gruppe durch ein Kriegsgebiet führt, sind wir ziemlich stationär eingerichtet. Wir finden uns anfangs in einem Haus mit unserer Gruppe bestehend aus drei Personen. Dieses müssen wir erst von Schutt und Müll befreien, woraufhin wir erstmals kleinere Utensilien für unseren Häuserbau finden, sowie einige Nahrungsmittel und medizinische Dinge.

Da wir aber nicht nur mit dem Zeug welches wir im Haus gefunden haben müssen wir raus in das Kriegsgebiet und nach überlebenswichtigen Dingen suchen. So können wir Nachts jemanden zum schlafen hinlegen, einen anderen zum Bewachen unserer Sachen abstellen da wir natürlich auch nicht von Dieben und Räubern abgesichert sind und einen dritten zum sammeln von Utensilien.

Dazu haben wir diese Map, welche uns Nachts die jeweiligen Auswahlen ermöglicht. Wenn wir uns dazu entschieden haben jemanden loszuschicken und Dinge zu suchen (wir können natürlich auch alle zu Hause bleiben und einen ruhigen Abend vor dem Kamin verbringen), dann beginnt der interessante Teil des Spiels.

Wir fangen am Anfang einer Mission am Eingang des jeweiligen Gebiets an und dürfen uns schleichend in die gefährlichen Ecken vorbewegen. Die Missionsgebiete sind meistens mehr oder weniger zerstörte Gebiete, was dazu führt das wir meistens Trümmer beseitigen, verbarrikadierte Türen öffnen oder über Löcher springen müssen. Das alles erzeugt einen gewissen Lärm der Gegner, wenn vorhanden, anlockt.

Sollten wir das Pech haben auf einen Gegner zu treffen müssen wir von dem Scavanger Modus in den Kampfmodus wechseln. Je nachdem welche Waffen wir dabei haben, stehen unsere Chancen gegen die Verteidiger besser oder schlechter. Doch selbst wenn wir eine AK haben sollten wir uns das zweimal überlegen ob wir den Familienvater erschießen der seine Familie beschützt, da das Depressionen bei unserem Charakter auslöst. Wenn wir den Kampf aber trotzdem wagen und wir werden verletzt, dann sieht das ganze noch schlechter aus. Erstens sind wir nämlich ziemlich down, da wir feststellen das wir zu einem Monster werden, und zweitens, sind wir verletzt. Verletzungen müssen nämlich umgehend behandelt werden und Medikamente sind rar, mal ganz abgesehen davon das depressive Personen schlechtere Heilungsraten haben.

Wenn wir nach einem erfolgreichen Beutezug nach Hause kommen, bekommen wir eine kurze Zusammenfassung über die Nacht. Ein Screen zeigt uns dann was wir gelootet haben, ob unser Haus angegriffen wurde und, falls das der Fall war, ob jemand unserer Gruppe ein persönliches Problem hat. Den Tag über haben wir die Chance das ein Händler vorbei kommt der Sachen tauschen möchte, sollten wir also knapp an Essen oder Medikamenten sein können wir hier zu Preisen àla Gucci zuschlagen und wie im Knast bekommt man mit Waffen und Zigaretten die besten Preise

Da This War of Mine ein Sandbox-Spiel ist dürfen wir natürlich die Crafting Komponente nicht außer acht lassen. Unser Haus ist am Anfang eine unbewohnbare Ruine, die wir natürlich erst so richtig gemütlich machen müssen. Am Anfang haben wir nur eine Crafting-Bank mit der wir wichtige Utensilien, wie zum Beispiel ein Bett, Fallen für Tiere oder ein kleiner Garten für Pflanzen craften können. Alles ist wichtig um ein, den Umständen entsprechendes, Leben für unsere Gruppe zu ermöglichen. Wir haben so gesehen auch nicht viel Zeit unser Lager auszubauen, da es nach ca. 20 Tagen im Spiel kälter wird, bis dahin müssen wir zum Beispiel ein Kamin haben, der Wärme spendet.

Grafik

Vorneweg, This War of Mine ist ein Indiespiel, wer Crysis Grafik erwartet ist fehl am Platz und das ist auch gut so, denn der Stil ist mit voller Absicht einfach gehalten. Falls man das ganze Vergleichen mag, kann man das eher mit dem düsteren Artstil von “I Am Alive” tun. Eine besondere Note bekommt das Spiel mit einer Art Bleistiftstrich, welcher durchaus krass ins Auge sticht, aber auch verdammt gut zu der melancholischen Stimmung passt.

Fazit

This War of Mine ist ein mehr oder weniger gelungenes Anti-Kriegsspiel. Vielleicht bin ich mit den falschen Erwartungen daran gegangen doch ich bin nicht vollkommen zufrieden mit dem Spiel, was nicht heißen soll das ich absolut von dem Sanbox Survival Game enttäuscht bin.

Nur meine Erwartung war eine gewisse kritische Betrachtung zum Thema Krieg, welche meiner Meinung nach nicht vorhanden ist. Zwar sagen mir meine Charaktere das es ihnen schlecht geht wenn sie Leute beklauen und ihnen alles nehmen, doch ich fühle mich einfach nicht schlecht dabe. Mir fehlt einfach dieser Mitleidspunkt wo ich sage: “Wow, das kann ich nicht machen.” Man fühlt sich nicht schlecht jemanden sein Essen zu klauen, weil ich einfach keine Folge zu sehen bekomme.

Dem Spiel fehlt es meiner Meinung einfach am Empathie. Was man This War of Mine allerdings anrechnen muss, es stellt den Kriegsalltag als Zivilist, insofern ich das beurteilen kann, verdammt gut dar, vorallem mit dem drögen, eintönigen Tagen. Doch im großen und ganzen fehlt mir genau der kleine Sternentaler der das ganze zum glühenden Stern am Indie Himmel macht, doch so ist This War of Mine nur ein netter Zeitvertreib mit kleinen Höhepunkten.

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