TechCheck; Google Home

Nach dem sich Flash eine Alexa zulegte, dachte ich “Hey, wenn er sowas gebrauchen kann, kannst du dass erst Recht!”. Doch leider habe ich mich da sehr, sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Sprachassistenten sollen uns in vielen Lebenslage helfen, es bequemer machen. Doch dafür ist die Zeit noch nicht so reif, wie man es gerne hätte. 

Anfängliche Euphorie

Kurz nach Blackfriday, wann den auch sonst, habe ich mich dazu entschlossen, ein Google Home zu kaufen. Die Entscheidung, warum ich mich für Google und gegen Amazon entschieden habe, war ganz einfach. Ich denke, Google hat sowieso schon all meine Daten und so muss ich diese nicht zwei Konzernen in den Rachen werfen. Ebenfalls besitze ich bereits ein Google Chromecast für meinen Fernseher. Ein Androidhandy ist natürlich auch am Mann, somit ist man ja quasi schon in der Googlecloud zuhause. Knapp 10 Tage nach der Bestellung hat der Postbote es geschafft, mir meinen Google Home zu liefern. Ich war aufgeregt. Wie wird Google mir dabei helfen, meinen Alltag zu Strukturieren – ganz ehrlich: ich malte mir großes aus.

Die erste Inbetriebnahme war genial einfach. USB Kabel dran, die Google-Homeapp geöffnet und das Ganze mal eben eingerichtet. Hey, den Chromecast hat das Gerät auch sofort erkannt. Praktisch! Und da war er nun, meinGoogle Home, doch was nun? Die Homeapp bietet direkt Beispielsätze an, die man doch ausprobieren sollte.

“Hey Google, was gibt es heute im Kino” – “Entschuldigung das kann ich leider noch nicht” Was? Die App hat es mir doch vorgeschlagen! Mooooment, da steht ja “Was läuft heute im Kino” uff… okay… “OK Google, was LÄUFT heute im Kino” Die Antwort kam dann sehr zügig, einige Filmtitel musste ich dann doch noch mal nachträglich googeln. Ein “SCHTAR WARSCH” konnte ich grade noch so erkennen, doch bei einigen Titeln fragte ich mich wirklich, was das sein sollte.

Was Funktioniert denn nun?

“Funktionieren” ist ja auch eher Definitionssache. Die gute Frau in dem Gerät versteht mich schon. Das Funktioniert WIRKLICH gut. Jedoch lässt der Funktionsumfang deutlich zu wünschen übrig. Nur mal ein paar Beispiele.

Termine:
Ja, natürlich könnt ihr euch, eure Termine vorlesen lassen. Versucht aber bloß nicht, einen neuen Termin mit dem Gerät erstellen zu wollen. Das geht, Stand heute, noch nicht. Ihr könnt auch keine Termine großartig verwalten oder euch explizit an Termine erinnern Lassen. Ihr könnt genau eine Sache mit Terminen anstellen “Hey Google, welche Termine habe ich heute (morgen, diese Woche….)?”

Licht, Heizung, Fernsehen, Steckdose
Ja, die Smarthomesteuerung, eine super Sache. Heizung, Licht, Steckdosen für alle Räume aus dem Wohnzimmer steuern lassen. Aber, realtalk, wie viele von euch haben solche Geräte zu Hause? Betreiben smarte Glühbirnen? Ich nicht, noch nicht, ich werde Sie mir nun nach und nach zulegen. Ob ich es brauche? Wahrscheinlich nicht, aber dann darf Google vielleicht doch ein bisschen was an und aus machen.

Einkaufsliste
Hey, meeeeega gutes Feature, ihr sagt einfach “Hey Google, pack Zucker auf meine Einkaufsliste” oder war es “lege” oder… “füge meiner Einkaufsliste hinzu”….ja…. auf jeden Fall könnt ihr eine Einkaufsliste per Sprache führen! Ihr steht am Kühlschrank, merkt die Milch ist aus und versucht erstmal 3 Minuten lang diese Milch auf irgendeinen Einkaufszettel zu packen. Wäre der Verständnisstreit hier nicht schon groß genug, versucht mal auf eurem Handy diese Einkaufsliste zu öffnen. WENN und ich sage wirklich WENN ihr sie findet, öffnet sich eine schlecht gemachte Seite im Browser, die rudimentär Zeug abhaken kann oder eben nicht. Ich meine, hey, es ist ein Einkaufszettel, das soll keine fancy Features bieten. ABER GOOGLE, LÖSCHE DOCH BITTE AUCH MEINE ARTIKEL WENN ICH DIESE EINKAUFSLISTE ABGEARBEITET HABE. Das tut es nämlich auch nicht. Ihr habt irgendwann eine endlos lange Liste, wenn ihr nicht selbst jeden Artikel wieder löscht. Ich nehme wieder Pen&Paper (Badum tsss….) für meine Einkaufsliste. Hier wäre auch eine Integration zu Google Notes großartig, bei dem sogar explizit Erinnerungen an GPS-Standorte geknüpft werden können. Beispiel: Ihr steht vor dem Rewe und das Handy vibriert und sagt euch “Hey, du wolltest noch was einkaufen!”

“Hey Google, Wo ist der Nächste Baumarkt?”
“Sie haben 5 Baumärkte in 7 km Entfernung, der nächste ist Bauhaus in 1,3 km Entfernung.” “Hey, schick mir die Adresse auf das Handy.” … Nichtspassiert. Absolut gar nichts. Nein, nicht weil ich mal wieder ein Keyword verpennt habe oder so. Es geht schlicht nicht, ihr könnt euch lediglich sagen lassen, wie viel ihr von irgendwas in der Nähe habt. Raussuchen müsst ihr den Quatsch immer noch selbst. Schade Google, eine Zusammenarbeit zwischen Handy und Home wäre hier wirklich praktisch gewesen.

Bildergebnis für eieruhr digital

Doch nur eine Teure Eieruhr?

Nein, also, sooo… Nein, nein, das wird Google Home wirklich nicht gerecht! Aber eigentlich stimmt genau diese Aussage. Nach knappen 4 Monaten nutze ich konsequent 3 Befehle vom Google Home.
“Hey Google, Stelle Wecker / Timer für… ”
“Hey Google, Spiel Spotify-Playliste so und so” (Ja, eine Liste von mir heißt wirklich “so und so”)
“Hey Google, Guten Morgen!”

Das ist auch der beste Befehl. Bei “Guten Morgen” erzählt dir Google, wie lange der Weg zu Arbeit ist, liest dir die Top-News des letzten Tages vor und verrät dir, wie das Wetter heute wird. Eigentlich ganz nett. Jedoch nichts, was ich nicht eh nachgucken würde, wenn ich morgens aufstehe und mit dem Handy aufs Klo gehe.

Es fehlt an allen Ecken und Enden die Liebe zum Detail, den kleinen “AHHHHH”-Effekt, den uns Technik schenken sollte. Das Gefühl, als hätte man uns grade wirklich Arbeit abgenommen und nicht, dass ich an allen Ecken noch irgendwas tun muss. Ganz abgesehen davon muss ich mein Google Home bei Wecker und Timer immer förmlich anschreien, dass dieses Kackding endlich aufhört, mich zu terrorisieren. Natürlich könnte man sagen, dass ich selbst schuld bin, weil ich ja keine Glühbirnen habe, die ich via Sprache steuern kann, aber ich muss auch dann sagen, dass mich das ganze Konzept nicht glücklich machen würde. Anstatt, dass man bei Google immer mehr kleine Spielereien in dieses Ding quetscht, die kein Mensch benötigt (“Hey google, sing für mich”), hätte man definitiv andere Baustellen angehen können.

Nun seid aber ihr dran, was haltet ihr von Google Home, Alexa und co? Nutzt ihr das? Könnt ihr das WIRKLICH gut in euren Alltag integrieren?

8 Kommentare

  1. Ich habe selbst alexa , anfangs noch viel benutz für blödsinn aber jetzt nach einem halben Jahr muss ich sagen dass ich es nur noch als soundbox nehmen. Es gibt halt einfach kein sinnvollen Grund für mich .

  2. Bisher nie benutzt. Sehe da aktuell keinen wirklichen Mehrwert. Vielleicht wenn das ganze etwas mehr Umfang bekommt, ich denke du hast da schon einige wichtige Punkte genannt. Gerade die Kommunikation mit dem Handy, wenn ich zB sage es soll mir direkt die Route nach XY auf dem Handy öffnen.

    Was mich interessieren würde, hat das Gerät funktionen für den Chromecast? Bei dem Amazon Stick ist ja ein Sprachassistent enthalten, aber funktioniert das auch bei den Googlegeräten, in dem Sinne das ich zB Netflix öffne und eine Serie weiter laufen lassen kann?

    1. Die Kombination Chromecast und Google Home funktioniert.

      Allerdings gibt es auch hier … nennen wir es… Herausforderungen. Was allerdings immer gut funktioniert (Ich weiß nicht warum) ist “Ok Google, Zeig mir Katzenvideos!”

  3. Ich habe Leute mit diesen Dingern immer belächelt und das bestätigt sich durch den Artikel auch nur. Zeigt es doch wie A) Nutzlos sie tatsächlich sind und B) wie beschränkt die Befehle wirklich sind. Nicht das “aufs Handy schicken lassen”, das ist ja schon advanced, aber die Basics wie eine simple Formulierung einer Frage nicht zu verstehen… es dauert ja doch noch eine Weile bis wir von Robotern beherrscht werden, wenn wir denen alles haarklein bis ins Detail beibringen müssen.

    Was läuft im Kino?
    Was gibt es im Kino?
    Welcher Film läuft im Kino?
    Welchen Film gibt es im Kino?
    Gibt es gerade gute Filme im Kino zu sehen?
    Kino? Film?

    Jede einzelne Formulierung muss so einem System beigebracht werden um wirklich intuitiv zu werden… ätzende Aufgabe für einen Programmierer, zumal nur die kleinste Änderung eingeplant werden muss. Ne danke, vom Abhören mal ganz abgesehen haben die Dinger einfach keinen Mehrwert für mich.

    1. Na ja, das Problem wäre ja gar nicht gegeben wenn man den Dingern das selbst via Sprache bei bringen könnte. Zum beispiel könnte ich es mir wie folgt vorstellen:

      “Ok Google, Was läuft heute im Kino”
      “Entschuldige, leider weiß ich nicht was du meinst, könntest du die Formulierung einmal umstellen?”
      “Ok Google, welche Filme Laufen heute im Kino?”
      “Im Kino laufen folgende Filme… zu dem habe ich nun “Welche Filme Laufen heute im Kino” mit dem Satz “Was läuft heute im Kino” verknüpft”

      Ich wäre ja sogar gewillt das ganze noch weiter im Detail zu erklären alle
      “Ok Google, Heute, Datetime Today, Kino Cinema …. ” blablablabla daraus könnte man ja eine Programmiersprache via Sprache machen. Es gibt bestimmt genug Leute die wie ich dazu bereit wären.

      Ebenfalls kann man das ja zum Lernen von allen dazu gewinnen. Wenn genug leute ihrem Homie ” Was läuft heute im Kino” beigebracht haben kann bei einem anderen User der Satz kommen “Meinten sie “Welche Filme Laufen heute im Kino”?” um so häufiger dann dann bestätigt wird. Um so eher wird es in den Regelbetrieb übernommen.

  4. Als jemand der im Informatik-Studium deutschsprachige Sätze in Textform von einem Algorithmus hat grammatikalisch analysieren lassen hat, um Fragen in einem (eingeschränkten) Fachgebiet automatisiert beantworten zu können, auch bei variierenden Formulierungen / Satzaufbau, glaube ich einschätzen zu können, dass diese Sprachassistenten auch Heute schon technisch um einiges ausgereifter sein könnten, was alternative Formulierungen und undeutliche Aussprache anbelangt.

    Man darf auch nicht vergessen, das diese Geräte für verschiedene Sprachen verwendet werden (Englisch, Deutsch, Französisch, Japanisch), da ist es einfacher simple Keywords und feste Formulierungen einzuprogrammieren, anstatt für jede Sprache Grammatikalische Regeln zu entwickeln – vor allem wenn man wie Amazon eine “Skills”-Politik fährt bei der feste Sätze von verschiedenen Unternehmen dazugeschaltet/dazugekauft werden sollen.

    Da fehlt es den großen US-amerikanischen und hauptsächlich englischsprachigen Unternehmen (Google, Amazon), wohl an fähigen Informatikern mit linguistischer Expertise in allen gängigen Sprachen dieser Welt, oder schlicht das finanzielle Interesse das zu perfektionieren, wenn es auch so wie es derzeit ist ausreicht Gewinne zu erwirtschaften.

  5. Ich finde Sprachsteuerung eine super Sache für z.B. Menschen mit Behinderung oder technisch sehr unbegabte Menschen. Wenn man normal mit seinem Smartphone umgehen kann, bekommt man aber 99% der Aufgaben mit den Fingern schneller geregelt als über die Sprache. (Allgemein gesehen, ich weiß dass der Lautsprecher keine Tasten hat 😉 )

    Ich habe Siri seit der Einführung 2011 dabei und die erste Zeit ein paar mal nach dem Wetter gefragt und dann war auch gut. Heute muss ich aber zugeben, dass ich mich über die Jahre doch immer wieder dabei erwische wie ich weitere Funktionen nutze. Heute stelle ich mit Siri Timer oder Wecker, gebe Termine und Erinnerungen ein oder Wechsel beim Abwaschen o.ä. die Musik.

    Wo es bei allen Systemen noch am meisten hängt, ist das von euch ja auch hier schon angesprochene erkennen der Zusammenhänge. Man muss die Sprache des Gerätes lernen statt andersrum. Wenn sich das irgendwann grundlegend weiter entwickelt, hat sowas vielleicht Zukunft. Und wenn “nur” als Hilfe für Menschen mit Behinderungen, hat es definitiv eine Daseinsberechtigung.

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