Star Wars: Eine enttäuschende Spielegeneration

Seitdem Disney vor über vier Jahren LucasFilm übernommen hat, ist Star Wars wieder präsenter denn je. Die Filme führen zu Milliarden-Ergebnissen und das Merchandise ist eine wahre Goldgrube. Nur ein Bereich stottert noch: Die Videospiele.

Es ist keine große Überraschung, dass Star Wars – Episode 8: Die letzten Jedi vor kurzem die Marke von über einer Milliarde Euro geknackt hat. Unter der Führung von Walt Disney ist Star Wars finanziell ein einziges Erfolgsgeschäft. Zusammen mit den Merchandise-Einnahmen dürfte der Kaufpreis von ehemals vier Milliarden US-Dollar längst wieder in den Taschen des Weltkonzerns stecken. Also alles gut in einer weit, weit entfernten Galaxie? Nein, denn im Videospiel-Bereich besteht Nachholbedarf.

Als Disney vor gut viereinhalb Jahren, kurz nach der Übernahme von LucasFilm und LucasArts, die “Star Wars”-Videospiellizenz exklusiv an EA für zehn Jahre verkauft hat, klang das noch nach gar keinem so schlechten Plan. Disney selbst wollte mit großen Spieleproduktionen nichts mehr zu tun haben und mit EA stand einer der größten Publisher der Welt parat, der zudem mit Bioware die Entwickler des MMOs Star Wars – The Old Republic besitzt. Damals noch das einzig wirklich aktuelle “Star Wars”-Spiel. Mittlerweile muss man zu dem Ergebnis kommen, dass die Lizenzvergabe möglicherweise doch ein Fehler war. Wobei das nicht nur an Electronic Arts selbst liegt.

Dice liefert – unterschiedlich

Bislang hat der Publisher in den vier von seinen zehn Jahren nur zwei Spiele veröffentlicht: Star Wars Battlefront und Star Wars Battlefront 2. Während Ersterer trotz qualitativer Schwächen und vorhandener Kritikstellen sehr erfolgreich war, sorgte der Nachfolger dank seiner Lootbox-Mechanik für viele Kontroversen, die weit über den Rand hinaus geragt haben. Soweit, dass sogar Disney selbst eingreifen musste, um den Imageschaden möglichst gering zu halten. Abseits der Multiplayer-Orgien von Battlefront gibt es jedoch nichts zu bestaunen, wenn man mal von den Erweiterungen für Star Wars – The Old Republic absieht.

Fragen nach einem neuen Star Wars – Jedi Knight, Star Wars – Knights of the Old Republic oder X-Wing vs. Tie Fighter bleiben unbeantwortet. Stattdessen gibt es lieber Schließungen. Erst im letzten Jahr hat EA kurzerhand Visceral Games dicht gemacht und deren potenziell vielversprechendes “Star Wars”-Projekt abgesägt und zu EA Vancouver übertragen. Wann wir davon wieder was hören? Es wird wohl noch eine Zeit lang dauern. Selbiges gilt für das zweite unbenannte Projekt, welches beim Titanfall-Entwickler Respawn Entertainment entsteht.

Zugegeben: 2013 klang ein “Zehn Jahres”-Plan für Star Wars nach einer sehr langen Zeit. Nüchtern betrachtet ist es das jedoch gar nicht. AAA-Videospiele, die auf aktuelle Technologien setzen oder gar einen neuen Standard setzen wollen, benötigen heutzutage viel mehr Zeit – trotz dessen, dass mittlerweile bis zu 800 Mitarbeiter an einem Spiel werkeln. Ungeachtet der Qualität und der eigenen Fehler kann EA also gar nicht so viele “Star Wars”-Adaptionen liefern, wie es das Unternehmen vermutlich selbst gerne hätte. Eine gewisse Teilschuld, wenn man es denn so nennen möchte, trägt Disney selbst.

Marvel macht es (vielleicht) besser

Die exklusive Lizenzvergabe ist zwar für EA aufgrund der nun fehlenden Konkurrenz ganz praktisch, aber als Endkonsument darf die aktuelle Spielegeneration aus Sicht von Star Wars als bislang sehr enttäuschend gewertet werden. Disney hat jedoch aus der Vergangenheit gelernt. Bei Marvel, die ebenfalls aktuell mit dem MCU mehr als erfolgreich im Film- und Merchandise-Sektor unterwegs sind, hat man von einer Exklusivlizenz abgesehen. Stattdessen sucht man sich mehrere Partner, die an ambitionierten oder spannenden Videospiel-Projekten arbeiten. So entsteht bei Sony und Insomniac Entertainment Spider-Man, bei Square Enix und Crystal Dynamics ein Avengers-Spiel und Oculus entwirft Marvels Power United für die eigene VR-Brille. Das klingt zumindest aktuell abwechslungsreicher als das “Star Wars”-Portfolio der letzten paar Jahre…

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