Review: Adrift – Mit Beethoven im Orbit

Passend für den Launch von Oculus Rift befördert euch Adr1ft in den Orbit der Erde. *hehe*
Mal schauen ob es nur als Techdemo oder doch als richtige spiel, und vorallem ohne VR, etwas taugt.

In der Rolle von Commander Alex Oshima erwacht ihr in Mitten einer völlig zerstörten Raumstation. Das Einzige was euch von dem sicheren Tod trennt ist euer EVA-Raumanzug, welcher wegen eines Defektes laufend Sauerstoff verliert. Nun gilt es einen Weg zurück auf die Erde zu finden.

Auf die Augen, auf die Ohren

Wenn Adr1ft Eines kann, dann ist das Grafik.. Nicht nur einmal habe ich mich dabei erwischt, dass ich innegehalten habe und einfach nur die Aussicht auf unseren Heimatplanet bestaunt habe… und das obwohl dauernd Sauerstoff aus dem Raumanzug austritt. Ich kann nur vermuten was für einen unglaublichen Effekt die Weltraum Szenerie in der Virtual Reality haben muss. Jedoch auch ohne VR-Brille ist Adr1ft ein grafisch herausragendes Spiel, welches nur so vor Atmosphäre trieft.

Sountechnisch ist das Pacing leider total verfehlt. Musikstücke, die gerade anfangen eine gute Stimmung aufzubauen, werden grundlos unterbrochen und ein Lied bleibt vollkommen unpassend in Dauerschleife, wodurch es die Atmosphäre komplett zerstört. Dazu kommen noch Soundglitches, die ich mir nicht erklären kann und die auch nach längerem Herumschrauben an Einstellungen und meinem Setup nicht verschwinden. Besonders schade ist, dass diese Fehler leicht behoben werden könnten und es nur eine Frage des Polishings wäre.

Großer Pluspunkt im soundtechnischen Bereich ist dagegen Synchronsprecherin Cissy Jones, bekannt aus Firewatch (Delilah) und Life is Strange (Joyce Price, Chloes Mutter), die in Adr1ft Protagonistin Commander Alex Oshima die Stimme leiht. Leider ist ihre Performance keineswegs so ausgeprägt wie in Firewatch und fällt dadurch nicht sofort auf.

Leider keine Delilah

Vor allem mit dem Hintergrundwissen über die Synchronsprecherin kann man nicht anders als die Dialoge mit denen von Firewatch zu vergleichen, welches auch spielerisch Adr1ft in gewissen Maße ähnelt. Leider hat das ganze nicht annäherd die Wirkung und fällt im Vergleich deutlich ab. Was womöglich auch daran liegt, dass allgemein in Adr1ft wenig gesprochen wird. Hier wäre jedoch viel, viel mehr drin gewesen.

Dies gilt auch für die Story, die nur bruchstückhaft und zum Großteil über Audiologs und Computerberichte erzählt wird. Versteht mich bitte nicht falsch, ich habe an sich kein Problem mit diesem Erzählig, aber in Adr1ft kann die Geschichte nicht wirklich begeistern und motivieren. Hin und wieder ist das Geschriebene sogar ziemlich abstrus und wirr und versucht mir als Spieler etwas aufzudrücken, von dem ich eigentlich gar keine Ahnung habe.

Nicht schon wieder

Bleiben noch das Game- und Leveldesign, welche leider beide auch enttäuschen. Zu oft kehrt man an bereits bekannte Orte zurück (Backtracking), ohne, dass es etwas neues passiert. Stattdessen geht es meistens nur darum, etwas zu reparieren. Problem: Die Reparatur läuft immer exakt gleich ab und es passiert dabei in der Regel auch nichts spannendes – das geht ebenfalls deutlich interessanter zu gestalten. Nervig ist außerdem die zweidimensionale Karte, die im Grunde gar nicht wirklich hilfreich ist.

Die ungewöhnliche Bewegung auf allen drei Achsen ist zwar insgesamt interessant, kann aber das Spiel nicht alleine tragen (vielleicht eher im VR-Modus). Zudem muss der EVA-Anzug dauerhaft repariert werden, da er bei jeder noch so kleinen Kollision beschädigt wird und wir müssen regelmäßig Sauerstoff-Flaschen aufsammeln (die in enormen Mengen dort herumfliegen). Dauerhaftes Anhalten, um die wunderschöne Welt zu genießen, ist selten drin.

Fazit:

Unterm Strich besitzt Adr1ft eine wunderschöne Optik, aber dem Spiel fehlt es an einer starken Persönlichkeit. Über spielerische Designmängel könnte ich hinwegsehen, wenn wenigstens die Geschichte spannend oder emotional wäre. Aber auch hier, in einer der Stärken des “Exploration”-Genres, kann Adr1ft nicht wirklich überzeugen.

Ad1ft ist für mich ein typischer Steam Sale Kandidat, außer ihr besitzt eine VR-Brille. Die Wirkung stelle ich mir dort unglaublich beeindruckend und intensiv vor. Die spielerischen Mängel werden davon aber wohl kaum ausgeglichen.

 

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