PewDiePie’s TuberSimulator: Was für eine Mikrotransaktionen-Hölle

Einmal ein eigener Youtuber sein und im Stile von Bibisbeautypalace, Dagibee oder Apecrime ordentlich Kohle machen, weil die ganzen Kiddies auf einen abfahren – das ist teuflisch und könnte somit glatt als Reboot von Dungeon Keeper durchgehen. Der TuberSimulator von PewDiePie wagt da einen anderen Ansatz und orientiert sich zumindest in der ganz simplen Theorie an GameDevTycoon oder GameDevStory. In Wahrheit entpuppt sich die Spielapp für Android und iOS jedoch als Maschine, die es mit jeder noch so erdenklichen Maßnahme versucht den  Spieler zu ärgern, damit er möglichst viel Geld reinstopft. Das machen auch andere Mobilespiele, gewiss, aber so penetrant wie im TuberSimulator ist mir das noch nie vorgekommen.

Aber erst einmal zu den Grundlagen: Im TuberSimulator geht es darum über Zeit und mit viel Fleiß ein großer, bekannter, wahnsinnig-viel-Geld-verdiendender Youtube-Star zu werden. Dafür entwirft man Videos in unterschiedlichen Kategorien und hofft, dass diese auf der im Spiel nicht näher benannten Videoplattform gut ankommen, damit daraus neue Abonnenten entstehen. Was jetzt noch so klingt, als würde man wie im bereits erwähnten GameDevStory Kategorien vorher festlegen und entsprechende Regler für die Qualität benutzen, der fliegt schon in den ersten zwei Minuten auf die Fresse: PewDiePie’s TuberSimulator ist schlicht nur ein umfangreiches Klickerspiel. Der Videodreh besteht demnach schlichtweg aus drei angebotenen Videos mit jeweils zwei vorher vom Spiel festlegten Kategorien, wie zum Beispiel Sport und Humor. Spielprinzip: Klicken und warten. Mehr muss… nein, mehr kann man nicht machen. Per Zufall entdeckt man am Tag noch bis zu drei Kategorien-Trends, die man möglichst beachten sollte. Alles andere bringt nämlich deutlich weniger Erfolg und da man seinen Videokanal eh nicht individualisieren oder auf bestimmte Dinge festlegen kann, ist es eh egal, was für “Videos” man raushaut. Die traurige Devise: Schnell und populär, der Rest ist Dreck.

Durch die Videos erhält man Klicks, die als eine von zwei Währungen dient. Mithilfe der Klicks kann man sein eigenes Zimmerchen, zu Beginn eine grob 1 Quadratzentimeter große Butze, um neue Gegenstände erweitern. Das kann eine Katze sein oder auch eine merkwürdig mutierte Pflanze, die so wahrscheinlich sonst keiner aufstellen würde. Das ist an sich nett und für Leute, die schon früher in Die Sims gerne Wohnungen und Zimmer eingerichtet haben, durchaus motivierend. Zudem erhöhen die Gegenstände die jeweiligen Kategorienstufen, was zu mehr Klicks bei Videos führt, und die Charakterstufe, wodurch man neue Gegenstände zum Kaufen freischaltet. Dann gibt es noch tägliche Quests, die einen anspornen bestimmte Dinge zu tun, etwa drei Musikvideos zu veröffentlichen. Die geben ein paar Bonusklicks. Soweit zur Theorie, die für ein Klickerspiel noch halbwegs okay klingt.

Jetzt komme ich nämlich zu den Mikrotransaktionen, die natürlich ein “Free 2 Play”-Spiel immer mit sich bringt. Im Spiel gibt es deshalb eine Zweitwährung mit dem einfallsreichen und zugleich sehr treffenden Namen “Knete”. Die benötigt man, wenn man die Lieferzeit von via Klicks gekauften Gegenständen beschleunigen möchte oder wenn man statt eines billigen Kartons einen vernünftigen Schreibtisch haben möchte. Oder eine andere Frisur. Das schicke Oberteil? Kostet wie im echten Leben Knete. Zusätzlich kann man sein Zimmer mithilfe von Knete erweitern – erst kostet eine Erweiterung pro Seite noch 25 Knete, später sind es 100 und mehr. Aber gut, theoretisch kann man sowieso sämtliche Gegenstände nach dem Kauf wieder aus dem Zimmer werfen, da sie für eine Erhöhung der Kategorien lediglich gekauft, aber nicht im Zimmer vorhanden sein müssen. Doof nur, wenn die neue Schrankwand zu groß fürs eigene Zimmer wird…

Knete kostet Knete und das nicht zu wenig. 100 Knete, was absolut nichts ist, kostet 1,09 Euro und ist damit das günstigste Angebot. Wer richtig auf den Putz hauen möchte, kauft sich den Knete-Geysir mit 14.500 Knete für 109,99 Euro (!) – Mikrotransaktion am Arsch. “Gut, sowas existiert auch in anderen Spielen”, dachte ich mir und wollte die App direkt herunterwerfen. Dann kam mir aber der Gedanke, dass ich einfach mal schaue, wie weit es die Entwickler treiben. Gibt ja auch Spielen, in denen solche Methoden existieren, diese aber einen nicht permanent in das eigene Gesicht drücken. Nach ca. 3 Wochen gibt es jetzt ein Fazit: PewDiePie’s TuberSimulator ist ein Spiel, welches einzig und allein auf den Grundgedanken von Monetarisierung fasst. Spielspaß? Nur, wenn man richtig tief in die eigene Brieftasche greift. Es erfüllt zwar nicht ganz den Kernpunkt der Abzocke, aber es fühlt sich definitiv so an.

Ich erkläre euch das jetzt so detailliert wie möglich an meinem aktuellen Speicherstand, welcher relativ weit vorangeschritten ist und sich aktuell auf Charakterstufe 21 befindet. Dank eines Talentbaumes, für den man die dritte Währung Gehirne benötigt (gibt es beim Erhöhen von Charakter- und Kategoriestufen), kann ich mittlerweile drei Videos gleichzeitig produzieren und veröffentlichen. Ein Video braucht für die Fertigstellung mittlerweile zwischen 1 und 2 Stunden und produziert in der Zeit irgendwas zwischen 70.000 und 150.000 Klicks. Für die teuren Gegendenstandspreise (4 Millionen Klicks und mehr) viel zu wenig, weshalb ich mir ersteinmal eine Werbung ansehen muss, damit ich den Dreifach-Boost aktivieren kann. Wenn ich irgendwann mal genügend Klicks habe, kaufe ich mir einen neuen Gegenstand. In diesem Falle ein Skateboard für stolze 3,92 Millionen Klicks. Die Lieferzeit? Zwei TAGE und zwei Stunden. Kein scheiß, seht selbst:

Eine absolut lächerliche Zeit, die kein Spieler dieser Welt gerne wartet und völlig im Kontrast zum Unterhaltungswert steht. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Warten oder beschleunigen. Letzteres funktioniert entweder, wenn ich mir schon wieder eine dreißigsekündige Werbung ansehe, um am Ende ein paar Stunden Lieferzeit zu sparen. Oder ich zahle mal lockerflockig 300 (!) Knete für einen Gegenstand, der zirka 1/6-tel an Erfahrungspunkten für das nächste Level gibt. Wenn ich also schnell das nächste Level erreichen will, sollte ich mir schon mal 2500 Knete für 20,99 Euro kaufen, die innerhalb kurzer Zeit aufgebraucht ist oder ich warte mir den Arsch ab. Okay, zugegeben ich könnte auch “Puggle” spielen. Ein Minispiel, in dem man den Hund PewDiePie’s irgendwo runterfallen lässt, damit er Kugeln einsammelt oder abklopft, um am Ende zwischen wenigen Minuten und etlichen Stunden Lieferzeit zu sparen. Eine Runde kostet aber auch je nach Level entsprechend viele Klicks. In der Regel entspricht sie einem gut gelaufenen Video. Das was ich da an Klicks investiere, fehlt mir dann natürlich wieder um neue Gegenstände zu kaufen – ein Schelm, wer dabei den Entwicklern ein perfides System unterstellt.

Natürlich verlangen die Macher nicht nur, sondern geben auch etwas. Als Anreiz und vermutlich um nicht direkt als “Abzockapp” zu gelten, gibt es mithilfe eines typischen “Daily Login”-Systems ein bisschen Knete und hin und wieder lässt sogar der bescheuerte Sponsorfalke ein wenig Knete fallen, wenn man ihn erwischt. Im Monat kommt man damit bei normaler Spielzeit vielleicht auf 200 bis 300 Einheiten Knete, was am Ende auch nur einen Tropfen auf dem heißen Stein darstellt. Achja, bevor ich das vergesse: Für die Ingame-Aktivitäten, in denen man zu einem bestimmten Thema sein Zimmer dekorieren soll, braucht man ebenfalls Knete. Ohne Scheine ist eine Teilnahme und somit der potenzielle Gewinn eines Ingame-Geschenkes gar nicht erst möglich. Hachja…

Unterm Strich ist PewDiePie’s TuberSimulator nicht nur ein simples Klickerspiel, sondern ein dreister Angriff auf meine Zeitinvestition (und Intelligenz) als Spieler, wenn ich mich partout weigere Geld zu investieren. Während ich in anderen Free-2-Play-Spielen dann teils nur auf Kosmetik verzichten muss, versucht der TuberSimulator mich an jeder Stelle zu gängeln und dazu zu drängen endlich ein paar Euro rauszuholen – ohne mich! Ich habe absolut nichts gegen die Integration von Mikrotransaktionen in F2P-Spielen, aber wer damit mit voller Macht das eigentliche Spiel torpediert und man in jeder Sekunde merkt, dass hier schlichtweg Gewinnmaximierung im Vordergrund steht, der landet im Datenmülleimer. Da gehört am Ende PewDiePie’s TuberSimulator hin, selbst ohne die Mikrotransaktionen. Der unsäglichen “Humor” des Spiels, der sich in der nervigen und verdammt arroganten Comicadaption PewDiePies äußert, ist nämlich ebenso zum Davonlaufen.

Vielleicht kommt ja irgendwann Kairosoft auf den Gedanken ein Tube Story im Stile von Game Dev Story zu basteln. Für Letzteres hat sich der Preis bis heute nämlich mehr als ausgezahlt.

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