Nioh aus der Sicht von einem Dark Souls Fan

Es ist einfach zu sagen Nioh ist ein “Dark Souls”-Klon. Ebenso einfach wäre es zu sagen, dass eine Operation am offenen Herzen ein Routineeingriff ist. Was ich damit sagen möchte, beides kann man behaupten, nur wäre es dann eben grundlegend falsch.

Reden wir über den Anfang …

Natürlich gibt es Ähnlichkeiten zwischen Nioh und Dark Souls, das will ich gar nicht abstreiten, denn wenn es um Atmosphäre und Schwierigkeit geht, versucht der Kontrahent aus dem Hause Team Ninja einiges von den Souls Spielen ab zuschauen. Doch wenn man sich das Spiel genauer ansieht, auf das Gameplay schaut und gerade wie ich, versucht das Spiel so zu spielen wie ein Dark Souls, ist man mit an metaphysischer Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ziemlich schnell ein toter englischer Samurai.

Fangen wir von vorne an, denn als William in England geboren, sitzen wir im Tower of London und fristen unser dasein bis ein Schutzgeist uns davon überzeugt mal einen Ausbruch zu wagen. Wir bekommen schnell ein Schwert und kämpfen unseren Weg durch das gefürchtete Gefängnis. Bis hier ist alles gut. Das Interface ist ein wenig anders, die Waffen natürlich auch. Nach dem wir die Spitze des Towers erreicht haben kommen wir über eine Reihe an unglücklichen Ereignissen in das feudale Japan, wo wir sogleich von Räubern und Dämonen überrascht werden.

Hier ändert sich das Kampfsystem fast schon grundlegend. Anfangs mit Schwert, Stab oder Axt bewaffnet haben wir hier nicht nur mehr Waffen, was perse eine super gute Sache ist, sondern auch verschiedene Stances, die dem Kampfsystem eine gewisse Würze verpassen. Obendrauf noch ein Skill-System welches dem durchschnittlichen Souls-Spieler mehr abverlangt als hilft.

Ich bin überfordert

Nun fängt auch schon das Problem eines Souls Spielers an, denn ausweichen, zu hauen, zurück rollen, ist nicht mehr. Auch die altbewährte Taktik in die Attacke herein zu rollen um sie zu dodgen ist keine allzu gute Idee, da die Unverwundbarkeit beim Rollen eine komplett andere ist.

Während die ersten zwei Bosse durchaus “easy” waren, ist es beim dritten Boss, und vor allem auf dem Weg dorthin, schon durchaus schwieriger in seinen Souls-trott zu verfallen, da Gegner bescheidene Angriffe haben und Reichweiten die Jenseits von Gut und Böse sind. Hier hilft dann nur noch Blocken als einziger Ausweg und damit kommt auch schon das Skill-System zum Einsatz. Denn hier lernen wir nützliche Konter Attacken oder generell Angriffe, die wir während des Blockens einsetzen können.

Brauche. Pause. Bin. Kaputt.

Doch Stopp, hier kommt dann das nächste Gameplay-Element ins Spiel, welches ich von ganzem Herzen Hasse und mich mehr als nur einmal über den Jordan geschickt hat – meine KI. Und nein, damit meine ich nicht den Computerchip in meinem Kopf, sondern die KI von William, unserem Helden, denn so heißt die Stamina/Ausdauer im Spiel. Diese kommt mit einem beschissenen kleinen Feature. Denn es reicht ja nicht das die Leiste aufgebraucht werden kann, sie kann sogar so niedrig fallen, das William erst einmal ein Sauerstoffzelt aufbaut und gemütlich eine Flasche Gatorade trinkt, bis er wieder bewegbar ist. Etwas, was jedem Dark Souls Spieler spätestens da das Genick bricht, denn Rollen bis der Boss tot ist oder man aus der Reichweite ist, ist nicht der Fall in Nioh.

Aber weil das KI-System ja super blöd wäre ohne irgendein Feature, welches dem entgegen wirken würde, hat Team Ninja sich den “KI-Pulse” überlegt. Nach einem Angriff kann man noch für einen Bruchteil einen Teil seiner KI regenerieren wenn man die richtige Taste drückt. Dies ist allerdings erstmal nur nach einem Angriff möglich, solltet ihr also in einer Angriffsserie sein und wollt dann direkt zurück rollen um einem Angriff des Gegners auszuweichen, habt ihr die Chance KI wiederherzustellen verpasst und seit, wenn die KI-Leiste leer ist, mit Wahrscheinlichkeit tot. Danke Team Ninja für so ziemlich gar nichts.

Erwähnenswert an dieser Stelle ist aber auch das eben die Gegner eine KI-Leiste haben die wir natürlich auf Null bringen können um sie dann ebenfalls zu malträtieren. Nichtsdestotrotz ist diese ganze KI Angelegenheit, aus meiner Sicht, das wohl eines der schlimmeren Feature in diesem Spiel – wenn man sie nicht beherrscht, denn damit steht und fällt das komplette Spiel.

Es gibt auch positive Seiten. Könnte man meinen.

Einen Pluspunkt den ich Nioh zusprechen muss nur um ihn dann gleich wieder abzuziehen ist das PvP- und Coop-System. Während ich in Dark Souls mittlerweile schon in Tränen ausbreche wenn ich die Meldung der Invasion eines Finstergeistes sehe, ist PvP in Nioh etwas ganz anderes. Denn hier kann man andere Spieler beschwören, wenn man das denn möchte. Das ganze läuft folgendermaßen ab: xXxKevin1337xXx stirbt in Nioh und an der Stelle wo der kleine Kevin gestorben ist, liegt nun sein Grab. Nun können wir diese Gräber sehen und können den Yokai, also, die Manifestation seines Geistes, beschwören und ihn umboxen um Rum und Items zu erhalten. Keine dämlichen Invasionen und keine dämlichen Cheater. Wunderbar!

Leider wird der Pluspunkt gleich wieder mit dem Coop-System abgezogen. Auch wenn ich eher dazu neige ein Souls-likes Spiel erstmal alleine durch zuspielen und dann, beim zweiten,dritten oder vierten Run, einfach noch mal mit Derser in einem Funbuild durch zu “rofln”, ist dies hier nicht möglich, da Team Ninja das Coop für das finale Spiel komplett überarbeitet hat.

Während man in der Beta noch Freunde beschwören konnte, ähnlich wie in Dark Souls, kann man nur noch andere Spieler beschwören, wenn diese das Gebiet komplett bereits erledigt haben. Leider ein wenig Umständlich und mittlerweile gibt es auch viele Spieler die deswegen auf die Barrikaden gehen, da ihnen der vermeintliche Spielspaß genommen wird.

An sich würde mich das mit dem Coop also eher nicht interessieren, wenn dann eben nicht das eintreten würde, was ich so an Dark Souls mag: das “durchrofln”. Gehen wir davon aus, dass Derser eine PlayStation 4 und Nioh besitzt. Wir beide haben das Spiel durchgespielt und wollen nun einfach noch mal durchrennen. Zur Zeit tun wir das zum Beispiel in Dark Souls 2 – er als Lumpen Krieger und ich als Funky Magier. Dies würde in Nioh alleine schon mal von dem Coop Modus selbst nicht funktionieren, sondern auch nicht vom Charakter her, denn William, unser englischer Samurai, ist ein Samurai. Klar, wir können kleine Änderungen im Spielstil vornehmen, das wir eben hier mit nem Stab kämpfen und da mit ner Axt, aber die Möglichkeit etwas völlig eigenes zu bauen fehlt. Nichts mit reinem Magier, Fernkämpfer oder sonst was, wir sind Samurai.

Fassen wir mal zusammen…

Wie Anfangs erwähnt, es gibt Ähnlichkeiten zwischen Nioh und Dark Souls, Bloodborne oder Demon’s Souls. Nioh aber als Souls Imitation mit Samurai oder als Soul-esques Spiel zu bezeichnen ist meiner Meinung nach allerdings falsch. Nioh ist ein Action-RPG welches sich von den Spiele aus dem Hause FROM Software inspirieren lässt, aber in der Tiefe des Gameplays nur sehr, sehr wenige Ähnlichkeiten besitzt. Damit will ich nicht sagen, dass die Gameplay-Tiefe von Nioh schlecht ist, oder von Dark Souls überragend, ich will damit sagen, sie sind einfach nur grundlegend unterschiedlich. Auch ein direkter Vergleich im Großen und Ganzen welches Spiel es besser macht, ist einfach nicht möglich. Alles was man sagen kann ist , dass Nioh für mich und auch für andere Souls Spieler eine neuartige Herausforderung bietet, ohne das direkt Souls-flair aufkommt.

P.S.: Einen kleinen Unterschied noch: Schreine kotzen mich an! Anders als in Souls kann man Schreine nicht aktivieren ohne direkt daran zu beten, welches alle Monster zurücksetzt und mich vor den letzten Boss noch richtig angekotzt hat. Danke!

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