Mittelerde – Schatten des Krieges: Lootboxen im Singleplayer? Nein, Danke!

Seit dem sie einst in Counter-Strike – Global Offensive eingeführt wurden, sind sie mittlerweile überall: Lootboxen. Kleine Kisten, die in Multiplayer-Spielen hauptsächlich den langfristigen Support finanzieren sollen. Enthalten sind vorrangig kosmetische Gegenstände, etwa ein lila Sturmgewehr oder ein neues Design für den Lieblingshelden. Zumindest wenn man Glück hat, denn nicht wenige Lootboxen-Systeme setzen auf ein Glücksspielprinzip. Was genau in der Kiste ist, weiß ich nicht vor dem Kauf. Es gibt lediglich eine geringe Chance, dass genau der Gegenstand enthalten ist, den ich gerne haben würde.

Ich bin kein Fan von solchen Systemen, habe sie aber mittlerweile akzeptiert. Wenn sie, wie zum Beispiel im Falle von Overwatch, die kommenden Karten und Spielmodi finanzieren, dann soll es halt so sein. Mit Geld werde ich das System jedoch nicht unterstützen, da Glücksspiel in Spielen, die auch von Minderjährigen gekauft werden, nichts verloren hat. Den aktuellen Vogel schießt jedoch Warner Bros. mit Mittelerde – Schatten des Krieges ab.

Im kommenden Singleplayer-Abenteuer (!) wird es möglich sein, verschiedene Kisten zu kaufen, die unter anderem XP-Booster, Rüstungen, Waffen, neue Orks und vieles mehr beinhalten. Gekauft werden können sie mithilfe der Spielwährung Mirian oder der Premiumwährung Gold, die Echtgeld kosten wird. Letzteres wird benötigt, um die besten Kisten mit der meisten Beute zu erwerben. Willkommen zu Lootboxen mit spielerischen Vorteilen in einem Singleplayer-Spiel, die nicht einmal kommende DLC-Inhalte finanzieren.Ganz im Gegenteil: Für Mittelerde – Schatten des Krieges sind schon zwei Story-Erweiterungen angekündigt, die zusätzlich Geld kosten werden. Also warum genau benötigt das kommende “Der Herr der Ringe”-Spiel nun Lootboxen?

Warner Bros. redet sich damit raus, dass die Kisten mitsamt Inhalt auch durch das reine Spielen erworben werden können und keine Inhalte hinter dem System versteckt werden. Es sei lediglich eine Zeitersparnis für alle Interessierten. Das erinnert mich an einen schlechten und einen unnötigen Fall einer solchen Mikrotransaktion-Art. Schlechtes Beispiel: Assassin’s Creed – Unity mit seinen vier verschiedenen Kistenarten, die überall in der Welt verstreut waren. Manche davon konnte man nur mit einer Zusatzapp öffnen, andere wiederum haben einen mit einer Fehlermeldung konfrontiert – was gibt es denn schließlich auch schöneres als die Immersion in einem Singleplayer-Spiel auf eine solch plumpe Art und Weise zu brechen?

Das unnötige Beispiel ist Deus Ex – Mankind Divided, bei dem man über einen Menüpunkt neue Skillpunkte für Echtgeld erwerben kann. Benötigt wird das zu keinem Zeitpunkt, da man eh im Spiel genügend Erfahrungspunkte bekommt und die Entwickler das Bezahlsystem auf den letzten Drücker integriert haben. Das macht sich unter anderem daran bemerkbar, dass in der Presseversion der Punkt noch nicht einmal vorhanden war, weil er zu dem Zeitpunkt schlicht nicht funktioniert hat. Das Kaufen von Skillpunkten ist lediglich eine Masche, um unwissenden Spielern noch ein wenig Geld zusätzlich aus der Tasche zu ziehen.

Und damit zurück zu Mittelerde – Schatten des Krieges: Lootboxen mit spielerischen Vorteilen für Singleplayer-Spiele sind eine schlechte Idee. Sind sie so unnötig wie in Deus Ex – Mankind Divided, dann stehen sie lediglich der spielerischen Immersion im Wege und sind meiner Ansicht nach moralisch fragwürdig. Wird hingegen die Spielwirtschaft sehr zugunsten der Kisten gedreht, dann nimmt das System einen spielerisch zu hohen Stellenwert ein und hat in einem Singleplayer-Spiel schlicht nichts verloren. Wenn ich meine 50 bis 60 Euro für ein Einzelspieler-Erlebnis bezahlt habe, dann möchte ich danach meine Ruhe haben. Ich will keinen Ork sehen, der mir im Markt mit reibenden Händen irgendwelche Boxen andreht, die mich schneller im Level voranbringen. Vor allem, wenn sie dann nicht einmal kommende Erweiterungen finanzieren, sondern ausschließlich zur Umsatzsteigerung dienen.

Stellt euch zum Schluss mal vor, dass Gandalf den Balrog erst hätte besiegen können, wenn er von einem schmierigen Ork eine Lootbox gekauft hätte. Und dann enthält die Kiste gerade einmal einen “Zauberstab +4”, statt den benötigten 5-er. Was für ein trauriges Kapitel…

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