Far Cry – Rückblick: Von Frankfurt in die Welt

Am 27. März erscheint Far Cry 5 und versetzt die Serie erstmals nach Montana. Passend zum bevorstehenden Release werfe ich mal einen kleinen Blick zurück auf die Serie, die etwas Zeit für einen eigenen Stil benötigt hat. 

Seinen Anfang hat Far Cry in Deutschland genommen, genauer genommen in Frankfurt am Main. Das damals noch junge und kleine Studio Crytek arbeitet an einer neuen Engine – der Cry-Engine, die vor allem für Nvidias Geforce 3 zum Grafikwunder werden soll. Im Rahmen einer Präsentation stellt Crytek wenig später X-Isle vor:

Zugegeben: Aus heutiger Sicht sorgt das kaum für heruntergelassene Kinnladen, aber im Jahr 2001 war die Demo von Crytek ein echter Hingucker. Die Tech-Demo sollte sogar zu einem eigenen Spiel werden. Versprochen wurde unter anderem ein knallharter Shooter, bei dem es sogar möglich sein soll, durch Kisten und andere Hindernisse durchzuschießen – eine für damalige Zeiten interessante Neuerung.

Aus X-Isle wird Far Cry

Die Dino-Schießerei sollte allerdings nie das Licht der Welt erblicken. Stattdessen wird aus der Technik-Demo 2004 der Ego-Shooter Far Cry, bei dem Protagonist Jack Carver auf einer Insel mit dem Wissenschaftler Krieger aneinandergerät. Das Problem? Krieger züchtet dort Mutanten, die er nicht immer so unter Kontrolle hat.

Drei Jahre nach X-Isle lässt ausgerechnet ein deutsches Studio die Shooter- und Grafikherzen weltweit höher schlagen: Ein Shooter in dieser technischen Qualität aus dem Land, wo sonst nur Anno, Adventures und die Gothic-Reihe herstammen? Ja, das war vor etwa 14 Jahren eine echte Überraschung, dass ein Entwickler aus Frankfurt mit den großen Blockbuster-Studios aus Amerika mithalten, wenn nicht sogar sie übertrumpfen kann. Aber nicht nur optisch wusste Far Cry zu überzeugen.

Spielerisch hat Crytek auf recht offene Level gesetzt, die vor allem die für damalige Zeiten schlaue KI in den Fokus gerückt hat. Diese haben Deckungen ausgenutzt, versucht den Spieler zu umkreisen oder sind ihm auch mal in den Rücken gefallen. Erneut: Damals war das fast schon revolutionär und definitiv beeindruckend.

Ubisoft übernimmt

Nach Far Cry war jedoch direkt Schluss für Crytek: Die Frankfurter haben sich in Folge dessen mit EA zusammengetan, um eine neue Marke zu erschaffen, die später als Crysis bekannt wurde und erneut grafisch ein paar Meilensteine gesetzt hat. Die “Far Cry“-Reihe ist hingegen bei Publisher Ubisoft geblieben, die in den ersten Jahren lediglich ein paar Konsolenumsetzungen des Originals verantwortet haben. 2008 folgte dann eine Art Neustart.

Mit Far Cry 2 und dem Wechsel auf die Dunia-Engine, die bis heute noch zu Teilen auf der Cry-Engine basiert, hat Ubisoft seine bislang größte Shooter-Marke an den Start geschickt. Vom Inselszenario des Vorgängers ist fast nichts übrig geblieben. Stattdessen gibt es mit Afrika einen für Videospiele eher ungewöhnlichen Spielort, in dem der Spieler mitten in einen Bürgerkrieg hineingerät und sich in den nächsten 15 Stunden mit ständig respawnenden Gegner und nervigen Malaria-Anfällen herumschlagen muss. Die Redaktions-Folge der Gamestar bringt es gut auf den Punkt:

Trotz einiger Fehler darf nicht vergessen werden, dass Far Cry 2 ausschlagebend für den heutigen Erfolg ist. Warum? Der Ego-Shooter hat viele Grundsteine gelegt, darunter die offene Welt, KI-Kameraden mit Persönlichkeit und verschiedene Aufträge. Nicht zu vergessen: Das sich ausbreitende Feuer, wenn man mit einem Flammenwerfer bewaffnet war. Das gibt es auch alles heute noch in den “Far Cry“-Spielen!

Der endgültige Welterfolg

Danach sollte es erneut vier Jahre dauern bis Far Cry wieder zurückkehrt. Auf der PlayStation 3, der Xbox 360 und auf dem PC erscheint 2012 Far Cry 3 und sorgt für eine der größten Überraschungen des Jahres. Als “Skyrim with guns” betitelt verkauft sich der Shooter innerhalb kürzester Zeit millionenfach – die Ubisoft-Formel, die schon in den “Assassin’s Creed“-Spielen ihren Einsatz gefunden hat, funktioniert erneut. Der französische Publisher sieht sich auf dem richtigen Weg.

Dabei profitiert Far Cry 3 von gleich mehreren Dingen: Die offene Welt, die euch dieses Mal wieder auf eine tropische Insel verschlägt, kommt zum genau richtigen Zeitpunkt. Immer mehr Spiele verlassen die linearen Pfade und setzen auf frei begehbare Welten, die dem Spieler größtmögliche Freiheit lässt. Far Cry 3 schafft das im Shooter-Genre und setzt die Ideen des Vorgängers konsequent fort, während es die Fehler, unter anderem der ständige Respawn von Feinden, gekonnt umgeht. Außerdem darf man überall Plunder aufsammeln und zu neuen Sachen verarbeiten – also quasi doch wie Skyrim!

Außerdem hat Ubisoft einen wahren Treffer mit dem Antagonisten Vaas Montenegro gesetzt. Die Inszenierung seines Wahnsinns, die perfekt passende Synchronstimme und die teils echt guten Monologe sind bis heute in der Reihe unerreicht, obwohl es die Entwickler immer wieder versuchen. Achja: Nebenbei war Far Cry 3 auch einfach ein spaßiger Shooter, dessen Spielmechaniken weitesgehend überzeugten.

Etwa ein Jahr später ist mit Far Cry 3 – Blood Dragon noch eine eigenständige Erweiterung auf dem Markt gekommen, die das Insel-Szenario gegen ein 80-er Jahre Trash-Action-Film ausgetauscht hat. Hier kämpft man nun gegen Cyborgs und LED-Dinosaurier – einen Blick allemal wert!

Stagnation

Für das nächste Far Cry hat es dann nicht allzu lange gedauert: Schon 2014 hat Ubisoft mit Far Cry 4 nachgelegt. Eigentlich fast schon eher Far Cry 3.5, da das Rezept nur leicht verändert wurde. Himalaya statt Insel und durchgedrehter Regimeverantwortlicher statt Inselverrückter. Die nächste Evolutionsstufe war der vierte Serienteil ganz gewiss nicht.

Auch das 2016 erschienene Far Cry Primal zeigt sich spielerisch stagnierend, obwohl sich die Entwickler hier durchaus austoben durften und den bislang radikalsten Szenariengewechsel gewagt haben. Statt Gegenwart mit automatischen Waffen hieß es auf einmal 10.000 Jahre vor Christus und Keule. Das Template blieb jedoch dasselbe: Offene Welt, verschiedene Quests, Lager und schöne Grafik. Wer jedoch sämtliche Anzeigen abschaltet und den Hardcore-Modus aktiviert, kommt trotzdem auf seine Kosten. Dann wird aus Far Cry Primal ein wahrlich interessantes und spannendes Survival-Abenteuer, bei dem jeder Schritt der letzte sein kann.

Die Gegenwart

Nun also Far Cry 5. In weniger als einer Woche wird der Ego-Shooter für PC, PlayStation 4 und Xbox One erscheinen und die Spieler wieder in ein aktuelles, aber trotzdem fiktives Szenario zurückholen. Montana in den USA wirkt in den bisherigen Videos grafisch beeindruckend und lädt zu Erkundungstouren ein. Das Grundprinzip der Serie wird jedoch beibehalten und das führt zur Frage: Funktioniert es immer noch beziehungsweise reichen die Änderungen, wie etwa noch mehr spielerische Freiheit und ein vollständiger Koop-Modus aus, um weiterhin zu begeistern? Die Vorbestellerzahlen sollen zumindest ganz gut sein…

8 Kommentare

  1. Sehr schöner Überblick. Da bekomm ich direkt wieder Bock auf Far Cry 3 und natürlich auf das kommende Far Cry 5.

    Der dritte Teil war für mich damals einer der besten Shooter die ich gespielt habe und ist es heute immer noch. Ich hoffe, dass Far Cry 5 da so ein bisschen anschließen kann, nachdem mir der vierte zwar Spaß gemacht hat, aber wie du schon geschrieben hast, mehr Far Cry 3.5 war.
    Auch Primal konnte mich nicht so ganz überzeugen. Interessante Idee, aber irgendwann wurde es mir dann doch ein wenig zu langweilig. Ich bin auch kein wirklicher Hardcore Survival Typ, also ist diese Spielweise für ich gar nicht in Frage gekommen.

    Ich bin gespannt wie Far Cry 5 am Ende abschneidet. Ein für mich interessantes Setting, zurück in die Gegenwart und das Material sah sehr viel versprechend aus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich damit wieder sehr viel Spaß haben werde.

  2. Ich muss ja gestehen, das der erste Teil mein absoluter Favorit war. Alleine weil es damals die Grafikpracht schlechthin war. Ich weiß noch, wie ich mir einen neuen Rechner zusammengebaut hatte und dieses Spiel als Benchmark genutzt habe. Es war großartig, weitläufig und fancy für die Zeit.

  3. Schöner Überblick. Hätte ich es mir nicht zur Arbeit schicken lassen, wäre FC5 schon heute bei mir eingetroffen. :-S
    Ich rechne aber einfach mit einem weiteren Far Cry ohne große Überraschungen. Bis auf FC Primal hat mich da auch bisher jeder Teil gut unterhalten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

  4. Blood Dragon war als Gag wirklich gut. Gerade der Anfang ist super, vor allem wenn sich der Charakter über das Tutorial aufregt, habe ich schon gefeiert.

    Primal hab ich bisher noch gar nicht gespielt, obwohl ich das Setting eigentlich interessant fand. Mal sehen vielleicht im nächsten Sale. 🙂

    1. Bei Primal auf jeden Fall den Hardcore-Modus aktivieren! Ist zwar hart am Anfang und hier und da etwas frustrierend, aber die Atmosphäre ist halt ne ganze Ecke intensiver und eindringlicher. Oder hoher SChwierigkeitsgrad und einige UI-Fenster wegmachen. Standardmäßig ist das Spiel mMn viel zu einfach und wird schnell langweilig.

      1. Wird gemacht! 🙂
        Spiele Shooter eh gern auf Maximum, musste mir nur das letzte Wolfenstein etwas runter drehen, weil es doch arg frustrierend wurde.

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