Die Geschichte des Goldhandels in Videospielen

Es gibt Werbung für sie in jedem MMO Chat und auf jeder Seite, bei der man dann vielleicht doch sein Scriptblocker anlassen sollte. Sie sind wie Herpes, kommen immer wieder, egal wie oft man den Spam Filter aktualisiert. Niemand mag sie und trotzdem bekommst man mehr Mails von ihnen als von der eigenen Familie. Die Rede ist von: Goldsellern.

Woher kommt das Prinzip des Goldselling?

Wie immer in der Geschichte ist es schwer einen genauen Punkt in der Vergangenheit festzuhalten. Sagen kann man allerdings, dass es den Verkauf von InGame-Gegenständen schon seit Diablo 2 gibt. Wie heute so auch damals über ebay mit mit meist gehackten Accounts. Unprofessionelle Verkäufe sind also hier schon seit dem Anfang des Onlinespiels ein Normalzustand.

Der Verkauf einer virtuellen Währung und nicht nur der Items begann dann nachweislich um 2001 mit dem MMO Lineage. Als erstes großes MMO Weltweit gab es um diese Zeit die ersten verrauchten Computer Bangs in Südkorea, wo Schüler ihre Zeit mit Computerspielen verbrachten um ihr erfarmtes Geld an andere Spieler zu verkaufen. In beiden Spielen, Diablo 2 und auch Lineage, war eben jenes Verkaufen von Gegenständen noch nicht illegal.

In chinesischer Manier wurde das Farmen von Gegenständen und Gold dann kopiert und mit Hilfe der sogenannten “Chinafarmer” auf ein neues Level gehoben. Für den Leser der sich unter dem Begriff Chinafarmer nichts vorstellen kann, dass sind gerade in der Vergangenheit Jugendliche gewesen die in die wortwörtliche “moderne Sklaverei” verkauft wurden und mit anderen jungen Menschen in ein kleines Zimmer gesperrt wurden, um wie Zombies bei wenig Beleuchtung auf ihre Rörenbildschirme zu starren und geistesabwesend auf der Tastatur rum zu klappern. Meist ohne Ausweg, da die Kosten sich freizukaufen viel zu hoch waren. Gerade mit dem Release von World of Warcraft in 2005 gab es kurze Zeit später kleinere Unternehmen die mit ihren “Sklaven” Gold farmten und dieses für Verhältnismäßig wenige Geld verkauften. Das Konzept ging auf und heute ist der Markt Millionen schwer, auch wenn durch Ingame Währungen und Mikrotransaktionen der Wind aus den Segeln der Chinafarmer genommen wird.

Zwar gibt es auch heutzutage noch die Art der Goldseller, die auf “Chinafarmer” setzen, doch dass große Geld machen die Goldseller mittlerweile mit anderen Mitteln; nämlich Bots und Hacks.

 

Das Spiel mit der Maschine

Auch wenn ein System mit Sklaven kostengünstig ist, muss man diese zumindest teilweise ernähren, während ein Computer die Arbeit ohne sonstige Zuwendungen schafft. Kostengünstiger und schneller, da keine Ausfallerscheinung. Wie alles in der Welt wurde auch das Goldfarmen optimiert.

Doch während der zur Sklaverei gezwungene Mensch immer noch ein Mensch ist der Antworten kann sollte ein Mitspieler oder ein Gamemaster ihn anschreiben, sollte sich das Problem bei Bots als schwieriger herausstellen. Gerade zu Anfang konnten Bots nur vorgegebene Routen und Muster ablaufen, die dazu führten, dass man einen Bot sehr schnell als solchen identifizieren konnte, was dann zu einem Bann führte.

Doch woher nehmen wenn nicht stehlen? Wer glaubt das Unternehmen die sich auf das unrühmliche Geschäft des Goldverkaufes einlassen, nach einem Bann einen neuen Account erstellen und die AddOns kaufen, wird nun eine Offenbarung erfahren, denn das Spiel mit der Maschine bringt noch einen anderen Vorteil. Gerade mit schnelleren, besseren Computern und auf der anderen Seite dümmere, nachlässige Spieler, ist es nicht schwer sich Accounts über Umwege zu beschaffen. Doch während es meist nicht schwer ist einen gehackten Account wieder zu bekommen, so ist es schmerzvoller wenn dieser dann leergeräumt wurde.

Doch auch dies könnte bald der Vergangenheit angehören, denn mit dem Fortschritt in der Technologie kommen nun auch Bots die Antworten und augenscheinliche Fehler verantworten, damit es nicht offensichtlich ist, dass es sich bei dem Spieler nicht um einen menschlichen handelt.

Natürlich spreche ich jetzt nur von dem “Worst-Case”-Szenario und beschreibe die schwarzen Schafe, denn es gibt in der Tat einige “ehrenwerte” Verkäufer da draußen, gerade auf ebay kann es vorkommen, dass man eine privat Person trifft die keine Lust mehr auf das Spiel hat.

Doch kann man das immer sagen? Weiß man woher seine Güter kommen und ob man vielleicht nicht Hehlerware kauft? Sicher kann man sich nie sein und unterbinden kann man es leider auch nicht.

 

Das Leiden der Entwickler

Denn illegal ist der Handel mit Gold und Items nirgendwo. Lediglich in China darf man mit virtuellen Gegenständen keine richtige Ware bezahlen und in der EU, der USA und Südkorea muss man den Handel mit Gold theoretisch versteuern.

Die einzige Instanz bleiben hier die AGBs der Spiele, welche einen Handel meist untersagen und gerade die Benutzung von Bots und Hacks unterbinden wollen, was, wie auch der Kampf gegen die Drogen in der realen Welt, dank den Syndikaten die der Hand der Gerechtigkeit immer einen Schritt voraus ist, fast unmöglich erscheint. Bots und auch Hacking Tools entwickeln sich fast täglich weiter.

Dabei geht es den Unternehmen und Entwicklern perse nicht mal wirklich um die Sicherheit ihrer Spieler, sondern um die Wirtschaft ihres Spiels. Denn wenn, wie auch im freien Weltmarkt, auf einmal eine Menge Geld auf den Tisch gelegt wird, sorgt dies für eine Inflation und damit dem virtuellen Markt in ihrem Spiel.

Auch kostet der Kampf gegen Bots und Goldseller die Entwickler kostbare Zeit und vorallem Geld, die in andere Projekte gesteckt werden könnten – ganz zu schweigen von den Arbeitsplätzen der Supportmitarbeiter, die sich fast nur mit der Wiederherstellung von Accounts beschäftigen müssen.

 

Einfach für alle?

Mittlerweile ist auch die Welt einen Schritt weiter, denn solltet ihr auf einschlägige Seiten gehen, so könnt ihr nicht nur Geld und Items sondern auch Titel und Level erwerben. Oder es wird für euch wie im Falle von League of Legends und Starcraft 2 der Weg zu Platin oder Diamant gegangen.

Während persönlich den Kauf von Items und Geld noch verstehen kann, weil die Vorteile durchaus gegeben sind, da man ohne viel Zeit endlich das Geld für seine Lieblingswaffe hat, oder sich einfach gleich mit Echtgeld ein Mount kauft, leuchtet ein.

Denn was bringt einem gutes PvP-Rating, oder die Diamant-Liga, wenn man selbst nicht den Skill hat dieses zu halten? Sich selbst, und gerade den Mitspielern, macht man damit das Spiel kaputt.

Gewinnen tut dabei kein Kunde. Der Spieler ist damit nicht besser, oder toller und vor allem fehlt ihm die Genugtuung etwas erreicht zu haben. Gewinnen tun dabei nur die Goldseller, die solche Services anbieten, denn sie stehen am Ende mit eurem, in der echten Welt hart verdienten Geld da.

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