Castlevania: Die Netflix-Serie als erste, gute Videospieladaption

Als Netflix Anfang des Jahres bestätigt, dass das Unternehmen an einer Castlevania-Serie arbeitet, hat Produzent Adi Shankar laut getönt: “I personally guarantee that it will end the streak and be the western world’s first good video game adaptation” –  nach Assassin’s Creed, Far Cry, Max Payne, Hitman und vielen weiteren mittelmäßigen Videospieladaptionen mag die Messlatte nicht hoch gewesen sein. Shankar und Autor Warren Ellis beweisen jedoch mit den ersten vier Folgen von Castlevania, dass sie nicht nur eine große Klappe haben.

Im Mittelpunkt der Castlevania-Serie liegt die Umsetzung des NES-Klassikers Castlevania 3: Dracula’s Curse, obwohl, so viel sei an dieser Stelle verraten, Shankar hier und dort ein paar Anspielungen auf Castlevania: Symphony of the Night wagt. Da die Geschichte des Videospiels sich allerdings im Rahmen hält, und eigentlich nur dazu dient um erneut den Vampirfürsten Dracula aufs Maul zu geben, nutzt Serienautor Ellis die Möglichkeit, der Spielwelt und den Charakteren mehr Tiefe zu geben. Das klappt – trotz bisher nur vier Folgen á 25 Minuten – überraschend gut.

Castlevania spielt im Mittelalter, genauer gesagt im 15. Jahrhundert und zwar in der Walachei. Die Bürger dort sind einfach und der fanatischen Kirche treu untergeben. Hin und wieder werden sogar Hexen verbrannt. Dieser Umstand spielt Ellis in die Hände, bietet es doch die Chance Dracula als das ultimative Böse darzustellen, dessen Handlungen aber nicht vollkommen aus dem Nichts stammen. Die mächtigen Monster der Hölle zu beschwören, um sämtliches menschliches Leben in möglichst brutaler Art und Weise auszulöschen, wird damit zwar nicht legitimiert, aber Draculas Intentionen sind zu einem gewissen Grad nachvollziehbar. Wer Blut und abgetrennte Gliedmaßen nicht ab kann, sollte übrigens um Castlevania einen hohen Bogen schlagen. Mir persönlich gefällt der sehr harte Ansatz, der das eh schon düstere Setting noch einmal unterstreicht und dabei keineswegs zimperlich ist. Ein Höllenhund ist nun mal kein Golden Retriever, sondern reißt kurzerhand den Menschen vor sich in kleine Stücke und trinkt das Blut als wäre es Mineralwasser.

Aber zurück zum Wesentlichen: Neben Dracula haben in der Anime-Serie die Helden Trevor Belmont, Sypha Belnades und Alucard ihren Auftritt . Vor allem Trevor Belmont, der in der Spielvorlage nur eine rudimentäre Charakterzeichnung erhalten hat, wird in der Serie als sympathischer und knallharter Dämonentöter aufgezeigt, der gerne mal ein wenig über den Durst trinkt und somit ab und an ins comic relief abdriftet. Die Darstellung von Alucard ist hingegen durch die Bank weg gelungen und erinnert möglicherweise den einen oder anderen an Sephiroth aus Final Fantasy 7. Schade nur, dass er in der ersten Staffel verhältnismäßig wenig Screentime bekommt.

Die perfekte Videospieladaption ist Castlevania aber trotz der genannten positiven Aspekte nicht. Schließlich handelt es sich bei der ersten Staffel lediglich um den Auftakt beziehungsweise Prolog, weshalb es inhaltlich noch gar nicht so viel zu erzählen gibt. Der große Konflikt der Heldentruppe mit Dracula ist noch lange nicht gekommen, sondern folgt vermutlich erst in der zweiten Staffel, die Netflix mit acht Folgen angibt. Dennoch lohnt sich die Serie schon jetzt für ihren wundervollen Artstyle, bei der man die eine oder andere Szene ohne Probleme als Poster an die Wand hängen könnte. Allerdings enttäuschend: Der Soundtrack der Serie kann bei weitem nicht mit den wunderbaren Klängen des Originals mithalten.

Nichtsdestotrotz ist das Netflix-Castlevania eine wunderbare Umsetzung und Hommage in einem, die absolut sehenswert ist. Selbst Nicht-Castlevania-Fans sollten einen Blick riskieren und sei es nur, um sich von den Qualen früherer Leinwandauftritte zu erholen oder um etwas über das Ficken von Ziegen zu erfahren.

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